Zähne

Geboren wird man ohne Zähne.
Dann kommt das Milchgebiss, das Kleene.
Hier fällt der Zahn von selber aus.
Doch auch die Zweiten kommen raus.
 
Bis dahin wird gebohrt, geklebt,
was manchen aus dem Sessel hebt.
Nur wenige sind richtig cool,
beim Zahnarzt auf dem Liegestuhl.
 
Besonders wenn der Gute spricht:
"Der Kerl da vorn gefällt mir nicht.
Er ist von Karies zerfressen,
bald wird er stören, auch beim Essen".
 
Jetzt wird die Spritze aufgezogen,
es wird gebohrt und rumgebogen.
Dann meint der Arzt, "Oh lieber Gott,
dar Zahn kommt raus jetzt. Sapperlott".
 
Das Spiegelbild - fast wie die Oma.
Der große Vorteil - La Paloma
pfeift sich mit oder ohne Grund
bereits mit fast geschloss'nem Mund.
 
Beruflich läuft es auch nicht gut.
Der Chef meint, "Mann, Sie haben Mut.
So kann ich Sie nicht mehr gebrauchen.
Sie sollten erst mal untertauchen".
 
Zuhaus' die Gattin ist geschockt.
"Mein Schatz, es hat sich ausgerockt.
Wie groß auch sein mag Dein Gelüst,
ab heute wird nicht mehr geküsst.
 
Die Lücke wird sofort gestopft,
sonst hat im Bett sich's ausgehopft,
Du wirkst wie ein verarmter Schneider.
Tu was, so geht es nicht mehr weiter".
 
Dazu der Zahnarzt: "Ihre Frau
ist klug. Sie sind 'ne dumme Sau,
wenn Sie die Lücke nicht bald schließen,
wird sie Ihr Leben stark vermiesen".
 
Gesagt, getan, ein Kunstzahn lockt
und wird im Kiefer angedockt.
Das Konto ist schon überzogen.
Trotzdem, der Kummer ist verflogen.
 
Doch dann das Elend, welch ein Graus,
ein Backenzahn muss auch noch raus.
Der Zahnarzt: "Hinten der ist faul,
Ihr Mundgeruch ist wie beim Gaul".
 
Noch etwas gibt der Doktor mit:
"Jetzt wird es teuer, Schritt für Schritt.
Ich hoffe, Ihnen hilft die Bank,
Sie wirken noch nicht ernsthaft krank".
 
Zuhause hat es erst gekracht,
dann hat die Frau sich schief gelacht.
"Den Büstenhalter, den in grün,
kauf ich mir trotzdem in Berlin".
 
In dieser Nacht, man hat's gedacht,
fast haben beide Schluss gemacht.
Amore nein, nur Haare raufen,
die Gattin floh, und er ging saufen.
 
Dann kam der Urlaub - Helgoland,
und noch ein Zahn futsch - Allerhand.
Rechts war 'ne Plombe, links 'ne Lücke
und zwischendrin noch eine Brücke.
 
Was dann kam, war im letzten Mai.
Erst krachte es und dann ein Schrei.
Zwei Vorderzähne gingen flöten.
Sie brachen, ohne zu erröten.
 
Der Gang zum Zahnarzt war jetzt bitter,
da half kein Klagen, kein Gezitter.
Der Doktor sprach, "Die grab ich aus.
Ich brauch' das Geld. Ich bau' ein Haus.
 
Doch hab' ich hier was mitgebracht,
das Ihnen sicher Freude macht:
Ein Teleskop-Gebiss, nicht teuro.
Zehntausend etwa, und zwar EURO".
 
Inzwischen war das Konto schlank,
trotzdem ging's noch einmal zur Bank.
Die Frage: "Bitte, Herr von Riehen,
darf ich noch einmal überziehen?"
 
Der Banker zwang sich zu 'nem Lachen:
"Natürlich kann ich da was machen.
Ich sage ja, mein guter Mann
und tue für Sie, was ich kann".
 
10.000 EURO, abgezählt,
erhielt der Zahnarzt, leicht gequält.
Der gab sie weiter, rein wie raus.
Sie passten gut für's neue Haus.
 
Der Rest ist ziemlich schnell erzählt.
Von Teleskopen schwer gequält
hat man den Mann dental vernichtet
und hier hat es sich ausgedichtet.
 
Es war im Herbst und schon recht kalt,
ein Mann fand ihn im dunklen Wald.
Dort hing er, was man schwerlich denkt,
an einem Baume aufgehängt.
 
Selbst die Beerdigung war Mist.
Er, aufgebahrt, wie' s halt so ist.
Die Gattin viele Tränen rotzte.
Ein Freund in eine Ecke kotzte.
 

Und auch der Zahnarzt war zugegen.
Er gab nicht nur den letzten Segen.
Oh nein, er meinte: "Notabene –
Was hat er doch für schöne Zähne".

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